Das Handbuch Online-PR erscheint am 15. Februar 2012. Was das hier verloren hat? Nun, zum einen weil ich die Herausgeber Thomas Pleil und Ansgar Zerfaß sehr schätze - sie haben viele gute Autoren gewinnen können. Zum anderen, da ich auch einen kleinen Teil dazu beitragen durfte. Gemeinsam mit Thomas Pleil habe ich den Beitrag zum Thema Online-Communities und Community Management entworfen und geschrieben.
Mehr Infos gibt es unter den jeweiligen Links - ich hoffe, es gefällt! Und ja, der Blog lebt offenbar doch noch. Ein bisschen. ;)
Oder genauer: In der Community. Dieses spannende Zeit Dossier (natürlich gibt es unzählig viel Literatur zu dem Thema) hat mich auf den Gedanken gebracht, ob und inwiefern es altruistische Anreizsstrukturen gibt eine Community zu nutzen. Und nein, natürlich ist diese Frage nicht endgültig geschweige denn "korrekt" zu beantworten. Ich will also gar nicht erst so tun als sei es mir gelungen. ;)
In "Maslow für Community Manager" habe ich mich ja schon einmal mit der Frage nach Bedürfnissen für die Nutzung von Communitys beschäftigt. Damals hatte ich ausschließlich relativ eindeutig "egoistische" Motive beschrieben.
Selbstverwirklichung, der Wunsch geliebt zu werden und Wertschätzung zu erfahren sind "egozentrisch" im wörtlichen Sinne, das Ego steht im Zentrum dieser Motive.
Wie ist die Situation bspw. in einem Forum, in dem anderen Menschen geholfen wird? Natürlich lässt sich diese Hilfestellung mit den oben genanten Motiven erklären. Der User verwirklicht sich selbst, in dem er sich etabliert (= entsprechend aus der Masse hervorgehoben wird und so durch die Community Anerkennung findet). Um das zu erreichen, "muss" er helfen. Zugegeben ist das eine Erklärung, die sich nicht besonders nett anhört.
Aber (Zeit Dossier):
Darum würde man den menschlichen Empfindungen und fast all unseren Handlungen nicht gerecht, erklärte man sie allein durch Eigennutz oder aber ausschließlich durch die Sorge um andere. Oft ist nicht einmal klar auszumachen, wo die eigenen Belange aufhören und fremde beginnen. »Mitgefühl ist weder altruistisch noch eigennützig«, so hat es der amerikanische Neuroökonom Paul Zak formuliert. »In Wirklichkeit zeigt diese Regung, wie sehr wir gelegentlich die Bedeutung des Individuums überschätzen.«
Ich denke, jede funktionierende Community (zumindest wenn sie Dialog-zentrisch ist) hat eine Portion "Mitgefühl" notwendig, damit sie funktioniert. Wäre es also unter Umständen sinnvoll bei der Konzeption einer Community in mögliche altruistische und egoistische Motive zu unterscheiden und dementsprechende Anreizstrukturen zu schaffen? Passend zur Zielsetzung der Community Bedürfnisse zu wecken, die entweder das Individuum oder die Gemeinschaft stärker in den Vordergrund rücken? Dem Individuum vielleicht sogar die Möglicht zu geben sich "aufzuopfern"?
Ich weiß, sehr abstrakte und schwierige Fragestellung. Aber das macht sie nicht weniger interessant.
Blöd nur: So sehr ich auch drüber nachdenke, mir fällt grad keine Community ein, die einem eindeutigen altruistischen Muster folgt bzw. rein die funktionierende Gemeinschaft in den Vordergrund stellt.
EDIT:
Noch'n Link, da stellt sich die Frage nach Altruismus gar nicht erst. Wie man mit Social Media offenbar doch Profit macht (machen kann...).
Ha! Da bin ich doch noch mal, kurz vor dem Wechsel. Nachdem ich das Blog einige Wochen etwas vernachlässigt habe (unverzeihlich!), habe ich zum Jahresende was gefunden, das hier stehen sollte.
- Berufsbild Community Manager, Studie des BVCM
Der BVCM hat eine Studie über das Berufsbild des Community Managers veröffentlicht. Sehr spannend, die Ergebnisse decken sich weitgehend mit meiner Erwartungshaltung. Mit dem Berufsbild hatte ich mich unter anderem auch in meiner Diplomarbeit beschäftigt, die es hier als Download gibt. Unter anderem hatte ich einige Community Manager (aber auch die gängige Literatur) zu dem Thema befragt.
- Kreativer dank Communities
Interessantes Interview mit Andrew P. McAfee (Leitender Wissenschaftler am Center for Digital Business des Massachusetts Institut of Technology in Boston). Schön, dass die direkte Zusammenarbeit mit dem Kunden/Konsumenten zunehmend ernst genommen wird. Trotzdem sollte man nicht alle Aussagen von McAfee unreflektiert hinnehmen. Beispiel:
Es gibt nur wenige Risiken. Die Technik ist billig. Und ein Unternehmen kann kontraproduktive Beiträge jederzeit löschen.
Meines Erachtens gibt es zwar viele Potentiale für die Nutzung von Communitys und Kundenideen, aber auch genug Risiken. Das Ding läuft nicht rund, Ideen werden nicht umgesetzt weil sie nicht in's Konzept passen (muss ggf. verständlich erklärt werden), Potential wird verschenkt...und jeder darf mitlesen. Den Ratschlag "jederzeit löschen" finde ich dabei als mögliche Problemlösung erstaunlich naiv. Dadurch können die Probleme nämlich erst richtig groß werden. Dennoch: Insgesamt lesenswert. Moment, da war noch was...hmmm...ach, genau. Damit habe ich mich auch ausführlich in meiner Diplomarbeit beschäftigt. :)
So denn: Gewissen beruhigt, 2011 schreibe ich wieder viel mehr, ganz gewiss. Bis dahin wünsch' ich jedem einen angenehmen Wechsel und einen guten Start in das neue Jahr. Man liest sich.
Sehr geeehrte Damen und Herren,
es ist mir ein innerer Reichspartei...äh...Sekunde. Nochmal neu. Es ist mir eine große Freude meine mehrfache Ankündigung heute endlich wahr machen zu dürfen. Das Ding, was mich in den letzten drei Monaten am meisten Zeit und Nerven gekostet hat, ist nun fertig, bewertet und steht zum Download bereit - meine Diplomarbeit. Zur Erinnerung, das Thema war, ist und bleibt:
"Online Communitys, Community Management und Unternehmenskommunikation - ein Leitfaden für Praktiker"
Den Download gibt's hier (currently hosted by PDFCast.org).
Die Arbeit wurde mit "sehr gut" bewertet. Aber viel wichtiger als schnöde Zahlenwerte sind doch manchmal die kleinen Komplimente am Rande, oder nicht? Mein Zweitkorrektor teilte mir nach dem Kolloquium mit, dass er meine Arbeit sehr gerne gelesen hat. Mission accomplished. Danke dafür.
So freundlich wird die Internet-Gemeinschaft von Community-Managern und Social Media-Experten sicherlich nicht mit mir umgehen, deshalb folgende Anmerkung: Konstruktive Kritik und Verbesserungsvorschläge gerne in die Kommentar-Sektion oder per Twitter, Facebook...was auch immer. Das gilt auch für bewundernde Äußerungen, Lobhudeleien und eventuelle Heiratsanträge. Grobe Beleidigungen, Wutausbrüche, SPAM und anderen Schnickschnack bitte nur per E-Mail. Und wer sich ernsthaft traut einen Rechtschreib- oder Formalitäten-Flame zu bringen, darf mit einem Permaban aus meinen Kommentaren (und meinem Leben) rechnen.
War das jetzt irgendwie zu unseriös? Ach ne, denke nicht. Ist ja mein Blog. Und meine Arbeit. Viel Spaß damit! ;)
P.S.: Wer keine Lust hat sich der wissenschaftlichen Lektüre hinzugeben, dem sei gesagt, dass ich plane einzelne Kapitel für den Blog etwas aufzubereiten und meinen Leitfaden zur Diskussion zu stellen. Ihr müsst die Arbeit also nicht runterladen und könnt trotzdem was davon mitbekommen.
P.P.S.: Ich habe ein Buch geschrieben!!! Lebensziel erfüllt!! (ok, ein kurzes und elektronisches, aber immerhin?)
In der Literatur wird recht häufig auf Maslows-Bedürfnispyramide verwiesen wenn es darum geht, grundsätzliche Bedürfnisse der Menschen für die Nutzung einer Community auszumachen. Aus diesem Grund habe ich mal eine Pyramide speziell für Community-Manager gebastelt.
Nach Maslow sind die angeborenen Bedürfnisse des Menschen in einer Hierarchie der Vorrangigkeiten angeordnet. Sind die Bedürfnisse einer Stufe befriedigt, so haben auf der nächsten Stufe andere Bedürfnisse Vorrang. Wenn also zum Beispiel physiologische Bedürfnisse wie Hunger und Durst befriedigt sind, tritt auf der nächsten Stufe das ihr zugehörige Bedürfnis, nämlich das Sicherheitsbedürfnis, in den Vordergrund und verlangt nach Befriedigung. Darauf folgen der Reihe nach das Bedürfnis nach Zugehörigkeit und Liebe, nach Wertschätzung und nach Selbstverwirklichung. An der Spitze der Bedürfnishierarchie steht das Bedürfnis nach Transzendenz als sechste Stufe. Diese höchste Stufe soll Maslow zufolge das Bedürfnis des Menschen nach dem letzten und äußerst Erreichbaren repräsentieren, ein Bedürfnis, das über Selbstverwirklichung hinausgeht, nämlich die Suche nach einer sogar jenseits des individuellen Menschseins liegenden Identität (bspw. die Suche nach Gott).
Da die Basisbedürfnisse der körperlichen Grundbedürfnisse sowie der körperlichen Sicherheit in modernen Industrieländern in den meisten Fällen erfüllt sind, geht es in einer nächsten Stufe um die Befriedigung sozialer Motive. Online-Communitys können nach Maslows Pyramide mindestens zwei der fünf Grundbedürfnisse erfüllen (Zugehörigkeit, Wertschätzung) – prinzipiell ist auch die Erfüllung des Bedürfnisses nach Selbstverwirklichung in Online-Communitys nicht ausgeschlossen. Einen Experten-Status in einem Internetforum zu erreichen oder ein renommierter, in der Blogosphäre geachteter Blogger zu sein, bringt soziale Akzeptanz und dient damit möglicherweise zugleich der Selbstverwirklichung.
Für den Community-Manager ist es wichtig, diese sozialen Faktoren zu berücksichtigen. Sowohl in der Konzeption (bspw. durch Reputationssysteme, durch die die User Anerkennung "erhalten" können) als auch im operativen Bereich (Zuhören IST eine Form von Wertschätzung!).
Es würde sicher niemanden verwundern wenn Facebook versucht in Zukunft DIE dezentrale Community-Plattform für Unternehmen zu werden. Mit mehr Features (CRM) und administrativen Rechten könnte die Community-Gründung innerhalb des sozialen Netzes von Facebook für Unternehmen attraktiver werden - immerhin sind die Zielgruppen ja meistens schon da. Und brauchbare Bezahlmodelle würden die Facebook-Kassen füllen.
Eine ordentliche Differenzierung zwischen privaten Communitys und Communitys von Unternehmen ist dann allerdings Pflicht. In letzter Zeit sind kuriose Fan-Seiten auf Facebook regelrecht aus dem Boden geschossen, was es Unternehmen erschwert mit dem eigenen Angebot aus der Masse an Unsinn hervorzustechen. Die Gruppen-Seiten hingegen sind dank eingeschränktem Funktionsumfang auch für private Nutzer als Alternative zu Fan-Seiten nicht besonders attraktiv. Es wäre nicht verwunderlich, wenn diese in Zukunft entweder ganz fliegen oder als kostenlose Alternative bereit stehen, wenn für umfangreiche Fan- oder Community-Pages ein Premium-Bezahlmodell existieren sollte. Im Moment ist die Einführung von Community-Pages in erster Linie wohl nur der Versuch, etwas mehr Ordnung in die Trennung von kommerziellen und privaten Inhalten zu bringen. Alles weitere weiß im Moment nur Mr. Zuckerberg persönlich - oder auch nicht.
Wenn er allerdings weiß, was es mit der "Selbstverwaltung" von beliebten Community-Pages durch die "Facebook-Gemeinschaft" auf sich hat, dann darf er es gerne mitteilen. Die aktuelle Erklärung auf Facebook lässt einen leider nur unwissend zurück. Es könnte sowohl bedeuten, dass Facebook sich administrative Rechte an der Community zurückholt, als auch, dass der Community (bzw. einzelnen hochrangigen Mitgliedern der Gemeinschaft) mehr administrative Rechte und Entscheidungsfreiheiten eingeräumt werden. In jedem Fall hat der Community-Bereich innerhalb von Facebook ein enormes Entwicklungspotential. Mal sehen, ob und wie es in Zukunft genutzt wird.