Begrifflichkeiten Teil 2

12:54 0 Comments

Es ist auffällig, dass im allgemeinen Sprachgebrauch die Begriffe „Community“ und „Social Network“ auf sehr ähnliche Weise benutzt werden. Sie scheinen quasi synonym füreinander zu stehen. Dennoch gibt bei genauerer Betrachtung ein wenig Raum für Differenzierung, ohne dass dabei allerdings eine definitive Abgrenzung erfolgen kann.

Streng nach verschiedenen Definitionen des Begriffs „Gemeinschaft“ erfüllt nicht jede Art der Nutzung eines sozialen Netzwerks die darin vorgegebenen Parameter. So bedeutet die Mitgliedschaft in einem sozialen Netzwerk beispielsweise nicht gleich auch eine emotionale Verbundenheit mit anderen Menschen, geschweige denn ein „Wir-Gefühl“. Selbst wenn man den Begriff der Community nicht mit dem der Gemeinschaft gleichsetzt, werden in einem sozialen Netzwerk nicht automatisch alle Anforderungen erfüllt, die für gewöhnlich an eine echte Online-Community gestellt werden. Gemeinsame Interessen oder Ziele bilden sich erst dann heraus, wenn der User sich um entsprechende Verbindungen bemüht. Diese Verbindungen müssen manuell hergestellt werden, eine eigene Community muss innerhalb des sozialen Netzes erst gebaut werden. Kümmert sich der User nicht um diese Verbindungen, bleibt er trotz seiner Mitgliedschaft sozial isoliert. Der User kann auch eine soziale Isolation fördern, in dem er seine Profilseite beispielsweise nur ausgesuchten Nutzern freigibt. Zum Vergleich: In einem Internetforum ist der User ab dem Moment der Anmeldung auch Mitglied einer bereits bestehenden, vorgegebenen Community. So können ihn bspw. andere Mitglieder ohne seine vorherige Zustimmung kontaktieren oder seine Profildaten (sofern eingetragen) einsehen. Er hat keine Möglichkeit, einzelne User aus der Community zu entfernen. Ein gutes Beispiel ist das Business Social Network „Xing“. Innerhalb dieses Netzwerks lassen sich Communitys gründen, beispielsweise durch die Einrichtung einer Gruppe. Dennoch lässt sich auch Xing ohne eine solche gemeinschaftliche Komponente sinnvoll nutzen, beispielsweise um seinen beruflichen Werdegang im Internet auszustellen; der Community-Aspekt würde an dieser Stelle nicht mehr greifen, da ich als Nutzer an keiner virtuellen Gemeinschaft teilnehme: „Eine virtuelle Community entsteht, wenn sich Menschen auf Computer-vermitteltem Wege mit einer hinreichenden Regelmäßigkeit treffen, sodass sie durch ihre Aktivitäten persönliche Beziehungen aufbauen und ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln." (Web 2.0 in der Unternehmenspraxis, München 2008)
Ein weiterer Ansatz zur Differenzierung ist demnach, dass „soziale Netzwerke“ in erster Linie eine Plattform zur Selbstdarstellung sein können , während Communitys meist einen thematischen Schwerpunkt inne haben, der im Vordergrund steht. Dabei implizieren Communitys in erster Linie das Gespräch. Kommt es in sozialen Netzwerken zu öffentlichen Gesprächen (bspw. auf einer Facebook-Wall), lässt sich auch hier wieder den Begriff der Community anwenden. Reid Hoffmann bezeichnet soziale Netzwerke als „eine Anzahl von privaten Verbindungen zu Personen weltweit, beispielsweise zu Freunden“, wohingegen eine Community „ein Forum für Onlineinteraktion“ ist, „wo Menschen, die sich nicht kennen, an einer gemeinsamen Aktivität teilnehmen.“ Problematisch an dieser Differenzierung ist allerdings, dass es durchaus möglich ist die Teilnehmer in Foren persönlich zu kennen, während in Facebook Kontakte geknüpft werden, die erst innerhalb des Netzwerks neu gefunden wurden.

All diese Überlegungen verdeutlichen, wie eng die Begriffe „Social Network“ und „Community“ eigentlich beieinander liegen. So benutzt beispielsweise auch Dennis Bemmann von StudiVZ, das meist als „Social Network“ beschrieben wird, selbst den Begriff Community für seine eigene Plattform. Matias Roskos beschreibt Social Networks auch als technisches Fundament für eine Community, die die notwendigen Kommunikationskanäle bereit stellen.

Ein vorläufiges Fazit: Soziale Netzwerke liefern die Werkzeuge und die Kommunikationskanäle mit denen eine Community aufgebaut werden kann. Diese muss von den Usern selbstständig aufgebaut und gestaltet werden. Die Mitglieder seiner Community sucht jeder User selbst aus. Der Selbstdarstellung wird dabei viel Raum geboten. In bestehenden Communitys, wie beispielsweise einem Internetforum, werden die sozialen Kontakte nicht vom User selbst gewählt, sondern sind, ebenso wie das Thema, weitgehend vorgegeben. Ein gemeinsames Interesse steht im Vordergrund.

Meinungen? Andere Aspekte? Übersehe ich was?

Ebenfalls lesenswert zum Thema ist Matias Roskos Artikel.

Matthias Bastian

Dipl. Online-Journalist, Online-Marketing-Nerd, VR-Evangelist

0 Kommentare: